Dienstag, 20. Juli 2021
Rezension: FEUER WASSER STURM (vitalweekly.net)
Rezension: FEUER WASSER STURM (blackmagazin.com)
CASIA, das Filmkunst Solo Ambient Projekt von Stephan Spreer, der auch für das experimentielle Ambient Atmosphere Projekt LLOVESPELL und die dunkle Trio Hop Band SUNDAY STRAIN zuständig ist und schon mit ANTLERS MULM zusammen gearbeitet hat, schickte mir gleich zwei elektronische CD Produktionen ins Haus.Die erste CD „Feuer, Wasser, Luft“ besticht mit gleich zehn Tracks und knappen 50 Minuten Spielzeit und war für einen Ausstellung geplant und die zweite CD mit einem Track und knapp 34 Minuten Musikkunst, diese CD war eigentlich zum 28.3.020 zur Liveshow angedacht. Die wunderbar, sphärischen „Klanglandschaften“, die man im wahrsten Sinne des Wortes so betiteln kann, sind mit Samples, Noise-Sounds, Synthies eingespielt worden und gemastert wurde das Ganze von Andreas Wahnmann. Die großartigen, getragenen atmosphärischen Flächen mit allerlei noisigen, trippigen Geräuschsprenkeln ergeben einen „Wall of Sound“ per Exzellance, in diesen formidablen Klangkulissen kommt man sich vor wie in einer klirrenden Polarnacht mit einem kristallklaren Himmel und funkelnden Sternen über sich oder fühlt sich in ferne Welten des Universums gebeamt. Der wahrlich spannende Ambient Sound von „Feuer Wasser Sturm“ lief während der Ausstellung ABOUT ( 3.- 28. März 2020 ) von Mandy Kunze vom Band in den Ausstellungsräumen der Leipziger Spinnerei. Im März sollte z.b. eine Live Ambient Light Show von CASIA stattfinden, die Stephan dann unter den bekannten Gegebenheiten ohne Publikum auf Video aufgenommen hatte. Der Beitrag sollte dann später gestreamt werden, nur wirkte das Ganze etwas verloren ohne Zuschauer und Interaktion. Dafür war der Künstler mit den Umsetzungen und der Interpretation des Ausgangs und Klangmaterials sehr zufrieden und hat sich statt Video dann doch für Audio entschieden. Überhaupt waren im März, April und Mai drei Auftritte mit Liveumsetzung der Stücke geplant, zwei davon in Leipzig und eine in Nürnberg, alle geplanten Gigs mußten leider abgesagt werden. Die 1 Track CD zur Liveshow kommt im aufklappbaren Pappumschlag mit allerlei Infos zu geplanten Künstler Events, das Digipack der 10 Track CD mit Informationen im Innenteil und das künstlerische Cover Painting kommen von der kreativen Mandy Kunze und veröffentlicht wurde auf Wrotycz Records.
(S.Erichsen)
Rezension: FEUER WASSER STURM (africanpaper.com)
Vielleicht trägt der Titel “Feuer Wasser Sturm” seinen Teil dazu bei, dass die Musik Casias so starke sinnliche und emotionale Assoziationen weckt. Man denkt an Elemente im physikalischen und im metaphorischen Sinne, an Elemente in tosendem Aufruhr, aber auch an die Ruhe vor und nach dem Sturm.
Casia ist das Soloprojekt des Llovespell- und Sunday Strain-Gründers Stephan Spreer, und “Feuer Wasser Sturm” ist ein Ambient-Album, wie jedes Ambient-Album sein sollte. Es beginnt mit langgezogenen Flächen, die wie ein Schiff durch Gewässer voller Packeis gleiten und mit der Zeit immer mehr kleine Details an die Oberfläche ziehen.
Die Nähe zum Sound von Llovespell ist fast durchgehend spürbar, ähnlich wie bei deren aktueller CD entfaltet sich hier eine fast winterliche Unterkühltheit, die unter einer hauchdünnen, aber nicht für jedes Auge zu durchdringenden Schicht eine feinfühlige Schwermut offenbart. Und erneut muss ich, v.a. bei Tracks wie “I Step Outside Myself”, dem fast folkig angehauchten “Sofia in the Morning” mit seinen flötenartigen Ornamenten oder dem Ohrwurm “In the Storm of Roses”, wo durch dezente Rhythmen und Melodietupfer ein Hauch von Weltmusik in die organisch anmutenden Synthies kommt, an Anna Strom und das Transmillenial Consortium denken, wo ähnlich Stimmungsbilder in verhallten Ambient gegossen wurden. Die Assoziation zu den Amethystfälschern Coil ist an diesen Stellen sicher ebenso legitim.
Solche Stimmungsbilder, die immer eine Spur zu komplex ausfallen für reinen Eskapismus, werden kontrastiert durch gut dosierte Sperrigkeiten, die in manchen Momenten – “Avalanche Cloudrunner” – ganz unverfroren die Noisegrenze überschreiten.
“Feuer Wasser Sturm” entstand im letzten Jahr als Soundtrack zu einer Ausstellung der Malerin und Neo Rauch-Schülerin Mandy Kunze in der Leipziger Baumwollspinnerei – eines ihrer Werke ziert auch das Cover der CD, und wer über die Künstlerin recherchiert, sollte sich durch gelegentliche Variationen ihres Namens nicht um eine interessante Überraschung bringen lassen. Obwohl Bild und Klang hier wunderbar zusammenpassen und sich mit weiteren Bedeutungsnuancen bereichern, funktioniert die Begleitmusik auch unabhängig davon als gelungenes Ambient-Album. (U.S.)
Rezension: THAT SUMMER THERE WAS NO HONEY (side-line.com)
Background/Info: Llovespell is nearly active for twenty years now and have released a considerable number of productions. Their newest work has been again released on Wrotycz Records and features nine new tracks composed by Stephan Spreer and sung by Mandie K.
Content: Llovespell moves on composing a very personal, serene and artistic work. Driven by minimal electronic treatments, the work also reveals space-like atmospheres and the familiar low, resonating bass lines. Some passages are carried by Trip-Hop inspired rhythms. The vocals are mainly produced a half spoken-like way, but some other parts have been transposed into a kind of fragmented vocal parts accentuating the Experimental approach on some songs.
+ + + : Llovespell remains a band with a very personal sound, which is hard to define, but rather resulting from the offspring between different influences and genres. There’s some reverie hanging over the songs, which is accentuated by space-like atmospheres, and great, crystalline-like bleeps and tones. It has something refreshing and revealing a subtle writing. I still like the deep bass lines, which are less dubby than at previous works, but perfectly matching with the slow cadence and global sphere hanging over the album. Last, but not least I also enjoyed the half spoken like vocals, which sometimes inject a sensual touch to the work. There are several cool songs featured at the album, but “Borrowed Time” definitely appears to be the master cut.
– – – : I regret the album only features 9 songs, but as I’m used to saying, I prefer a shorter, but great work instead of an endless tracklist with less originality and quality.
Conclusion: Llovespell is one of those bands deserving more recognition. This new opus is a brilliant production mixing originality of styles together with great and accomplished songs.
Best songs: “Borrowed Time”, “Stay”, “Child In Red”, “Recipe”.
Rezension: A CONSTANT MURMUR (blackmagazin.com)
Eine coole Scheibe! So abgenutzt der Ausdruck „cool“ auch sein mag, ich finde ihn hier wirklich sehr passend. Ohne auch nur einen Ton gehört zu haben, gefällt wir schon einmal das irgendwie kühl-minimalistische und sehr schicke Design und auch gleich das Konzept. Denn „A Contant Murmur“ ist nicht nur einfach eine Remix-Compilation von (teilweise nur auf der „Logic Lust“ Kassette) bereits erschienenen LLOVESPELL-Songs, hier sind auch Zusammenarbeiten mit ANTLERS MULM, FJERNLYS, ARCHITRAV und JACK OR JIVE zu hören.Und von Anfang wird klar, dass diese Remixe alles andere als „fillers“ waren und sind, mit kühlen Elektroklängen und kräftigem Bass geht es los mit (nach?) „Oslo“ und auch „Behind the Words“ sowie „A Rainy Thought of Love“ sind, zumindest in der Remix-Version, ziemlich flott. Der Llovespell-Remix von „Hollow Heart“ von ANTLERS MULM klingt ein wenig melancholischer, doch ist die musikalische Verwandtschaft natürlich nicht zu überhören. Der erste stark Rhythmus-geprägte Track ist das dann folgende „Passion Break“, doch auch hier sorgt das zurückgenommene und doch einnehmende Flüstern bzw. „Murmeln“, um sich auf das „murmur“ zu beziehen für den typischen Stil. „Clean and Cold and Careful“ sowie „Winter 2“ tragen die Anspielung auf die Kälte ja bereits im Titel und v.a. letzteres Lied ist wirklich ein sehr atmosphärisch kaltes und feines Stück Musik.
Auch bei der „Trunkene[n] Flut“ von FJERNLYS wird einem womöglich nicht extrem warm ums Herz, aber die Ohren erfreut es, wie LLOVESPELL hier mit dem typischen FJERNLYS-Sound arbeiten und einen einmal mehr erinnern, das deutscher Gesang dann auf den Muttersprachler womöglich dann doch noch einmal intensiver wirken kann als englischer. Übertreibe ich den Roten Faden der Kühle, wenn ich meine, dass es auf dem Mond, wohin uns ANTLERS MULM nun musikalisch entführen, ja auch nicht besonders warm ist? Wobei hier ein durchaus warmes Knistern zu hören ist, was dem ganzen ein leichtes Vinyl – oder Lagerfeuer -Feeling gibt.
Sehr reduziert und nachdenklich stimmend beginnt dann der Titeltrack, der erst nach einer Weile etwas Rhythmus zulässt und diesen dann auch wieder verlässt. Auch bei „Blue Book of Hope“ und „Signature of Sympathy“ bleiben wir eher melancholischen Klängen verhaftet. Schön.
Und wieder erklingt „Winter 2“, dieses Mal mit JACK OR JIVE – und diese Version ist durch die Noise-Elemente und den eindringlichen Gesang womöglich noch intensiver! Sehr schön. Zum Ausklang ertönt mit „Seenot“ von ARCHITRAV, hier im vokallosen LLVSPLL-Remix ein ziemlich reiner Ambient-Track, der indes die kühl-melancholische und dabei keineswegs lieblose Stimmung geradezu nahtlos fortführt – wobei „nahtlos“ kein so guter Begriff ist, da diese Musik sicher eine ist, die einen dazu stehen lässt, dass es immer einmal wieder Nöte und Schmerzen gibt, es bleiben Erfahrungen und Nähte/Narben, es ist – wie gut – nicht immer alles eitel Sonnenschein.
Was auch immer es in einem auslöst, hier gibt es gute Musik zu hören und es ist kaum zu glauben, dass die 50 Exemplare noch nicht verkauft sind. Also sputet euch gegebenenfalls! (flake777)
Montag, 17. Mai 2021
Rezension: THAT SUMMERTHERE WAS NO HONEY (africanpaper.com)
Obwohl viele es versuchen, gelingt es nur wenigen, das oft so widersprüchliche Emotionsgemisch, das im New Wave der frühen 80er perfektioniert wurde, zu neuem Leben zu erwecken: eine hypnotisierende Monotonie, die resigniert und aufwühlend zugleich sein kann, eine Mixtur aus Klängen, Stimme und Worten, die oberflächlich betrachtet reduziert und kühl wirkt, bei genauerem Hinhören aber eine große Feinfühligkeit offenbart. Ich weiß nicht, inwiefern die Leipziger von Llovespell irgendetwas wiederbeleben wollen oder diesbezüglich überhaupt ein Konzept haben, und es ist auch nicht weiter von Belang. Auf ihrem aktuellen Longplayer „That Summer There Was No Honey“ jedenfalls verkörpern sie gerade die genannten Qualitäten auf beeindruckende Art.
Llovespell, trotz gelegentlicher Variationen ihres Namens nicht zu verwechseln mit den Postpunkern Lovespells, sind das Projekt von Stephan Spreer und Mandie Kunze und waren lange Zeit eines der Zugpferde des Labels Sonderübertragung!, das heute primär als Veröffentlichungsplattform für Antlers Mulm fungiert. Trotz ihres eingängigen und immer etwas verhuschten elektronischen Songwriterpop relativ obskur geblieben, sind die beiden ein interessanter Geheimtipp für alle, die sich in der Welt des melancholischen Pop ebenso zuhause fühlen wie in ambienten Klangwelten. Neueinsteiger, die ihre Färte aufnehmen, stoßen bei der Suche womöglich noch auf weitere interessante Acts wie Casia, die verblichenen Radio Eichenlaub oder Sunday Strain.
Die Songs des aktuellen Albums bewegen sich zwischen ambienter und rhythmischer Elektronik, die auch mit kleinen Sperrigkeiten nicht geizt. Das eröffnende „Straight up in Time“ beginnt als kristalline, hallumhüllte Klanglandschaft von der Entrücktheit eines Transmillenial Consortiums, doch rauschende und quietschende Sounds vermitteln schnell den Eindruck, dass sich hier Dramatischeres zusammenbraut, und ehe man sich versieht, hat der Track eine treibende Dynamik angenommen. In einigen Stücken wird diese aufgegriffen und zum Teil noch um einiges forscher ausgestaltet, so in „Burrowed Time“ oder im einige Stufen experimentelleren „Stay“, dessen zackige Takte mit einer grummeligen männlichen Stimme und Synthies, die an eine versteinerte Harfe erinnern, eine seltsame Melange bilden. Manchmal, wie in „Child in Red“, werden die Rhythmen mit entrückten Synthies und dem melancholischen Pop-Sopran der Sängerin kontrastiert. Oder sie ziehen sich in die Andeutungen eines leichten Knackens und melodischer Tupfer zurück, um den anmutigen Gesang in „Receip“ noch mehr in den Vordergrund rücken zu lassen. Beim Titelstück versinkt all dies im fast lärmenden Chaos der Fragmente, in dem selbst die repetitiven Stimmloops kaum noch als Worte erkennbar sind.
Heraus ragen m.E. Songs wie das zaghafte „I dream so quietly of you“ oder das sehnsuchtsvolle „Longing for Elsewhere“, bei dem der Gesang nur in eine sanfte Ambienthülle gepackt ist, vielleicht weil in diesen Songs der emotionale Kern des Albums am deutlichsten offenbar wird. (U.S.)